Anfang September stellte sich der
neugegründete Literaturverlag The Dandy Is Dead erstmals der
Öffentlichkeit vor. Verleger Tom Becker hatte mit 30, maximal mit 50
Besuchern im Saarbrücker „Horst“ gerechnet. Es kamen weit über
80. Da war er platt.

Laut Becker, der schon mal ein Szene-Fanzine herausgegeben“ hatte, war „vielleicht schon immer der Wunsch da, einen Verlag zu gründen. Und jetzt war die Zeit einfach reif.“ Der Name The Dandy Is Dead kam Becker und seiner Frau Germaine Paulus in ihrem Lieblingsurlaubsort, im englischen Seebad Brighton, in den Sinn. „Wir haben uns im vergangenen Winter dorthin für ein paar Tage zurückgezogen, um die Gründung zu planen. Abends saßen wir im Pub und haben Zettel vollgekritzelt mit möglichen Namen. Es waren eine ganze Menge kauzige Kandidaten am Start, aber The Dandy Is Dead ist immer wieder zurückgekehrt, ganz im Sinne von ‚Der Dandy ist tot – es lebe der Dandy‘“, sagt das Ehepaar.

Die ersten beiden Veröffentlichungen
des jungfräulichen Verlags sind „Pfuhl“, der Debütroman von
Paulus, und Teil eins der Heftreihe „Basement Tales“, „eine
Hommage an die Pulp-Romane, hier als Groschenromane bekannt. Pulp
bedeutet ja Schund, und wir machen ‚Schund mit Style‘“, sagen
Becker und Paulus, die ihren Mann bei der Arbeit und Planung
tatkräftig unterstützt und als Mitherausgeberin des Filmmagazins
„Deadline“ über viel Know-how verfügt. Jeder Band der „Basement
Talers“ „hat ein neues Motto. Und zu dem tragen dann mindestens
vier Autoren eine Kurzgeschichte bei. Vorgaben zu Genres haben sie da
nicht. Im ersten Band ist das Thema zum Beispiel ‚Bodensatz‘. Die
Geschichten reichen von viktorianischem Grusel über harten Horror
und einer ‚Wichtel-Situation‘ bis hin zu klassischem Noir. Das
Thema von Band zwei, der im Dezember erscheinen wird, ist
‚Sperrgebiet‘.“

Beckers Vision ist es, „kleine,
feine Publikationen“ zu veröffentlichen – keine Stangenware,
sondern Produkte mit Herz und Seele, „die ein bisschen anders sind.
Nicht nur inhaltlich. Auch in Look, Haptik, Form“. Als
neugegründeter Verlag Autoren zu finden, war nicht schwierig,
erklärt er: „Die Fantastik-Szene beispielsweise ist extrem
gut vernetzt. Viele der Autoren, die in den ‚Basement Tales‘
mitmachen, sind über die Jahre, die man sich kennt, richtig enge
Freunde von uns geworden“. Lang lebe der Dandy!

Bilder: The Dandy Is Dead (2), Sandra
Basenach (1)

Text: Peter Parker

www.thedandyisdead.de

The Dandy Is Dead – Kleine, feine Publikationen ist ursprünglich auf %POPSCENE% erschienen

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